IP, 47, seit November 2019 im FK Erfolgsgeschichten
Im November 2019, wenige Tage bevor mein Mann das 2. Mal auf Grund seiner Alkoholsucht in die Klinik musste, ging ich das erste Mal zum Freundeskreis Alkoholabhängiger und ihrer Angehörigen in Stuttgart-Plieningen. Zum Freundeskreis selbst kam ich durch Empfehlung eines Mitglieds des Ludwigsburger Freundeskreises. Davor besuchte ich schon ein Treffen der Anonymen Alkoholiker und war gespannt, wie das Treffen in dieser Gruppe verlaufen würde. Vor dem ersten Treffen rief mich die Leiterin der Gruppe an und berichtete mir von der Gruppe, ihren Aufgaben und den wöchentlichen Treffen. Da ich selbst nicht abhängig war, war ich sehr gespannt, welche Geschichten die Mitglieder zu erzählen hatten und hoffte auf eine Co- abhängige Leidensgenossin.
Mit ganz viel Angst, Neugier aber auch Hoffnung, Menschen in einer ähnlichen Lebenslage zu treffen, kam ich an und war von dem liebevollen Empfang, der lockeren Atmosphäre und den vielen offenen Ohren völlig überrascht. Endlich konnte ich von meinen Problemen, meinen Sorgen und all den Nöten, die der jahrelange Alkoholmissbrauch meines Mannes mit sich brachte erzählen, ohne mich erklären zu müssen. Für mich eine völlig neue Erfahrung. Plötzlich ging es um mich, meine Gefühle und um eine Lebensplanung, die es so nicht mehr gab und sicherlich auch nie wiedergeben würde.
Ein unglaublich befreiendes Gefühl.
Überrascht war ich auch, dass ich in unserer Gruppe die einzige Co- Abhängige war und bisher bin und dass unsere Gruppe überwiegend aus ehemals alkoholkranken Frauen besteht. Keiner von ihnen hätte ich es auf den ersten Blick angesehen.
Seit meinem ersten Besuch in der Gruppe hat sich mein Leben völlig geändert, es gab viele Tiefpunkte und Rückschläge auf dem Weg, das Leben mit meinem alkoholkranken Mann hinter mir zu lassen. Aber ich wusste immer, die Mädels aus meiner Gruppe sind da, hören mir zu und unterstützen mich und meine Tochter auf unserem Weg in unser neues Leben- leider ohne meinen Mann.
Da wir uns seit Wochen nicht persönlich treffen können, halten wir Kontakt per Videokonferenz. Ich hoffe, dass wir uns bald wieder in unserem Gruppenraum treffen können, da es für mich zu Hause deutlich schwieriger ist, frei zu reden, wie in unserem Gruppenraum. Aber ich freue mich auch, dass wir es alle schaffen, die Technik so zu bedienen, dass die Treffen überhaupt stattfinden können.
I. P. vom Freundeskreis Stuttgart-Plieningen